Hier die ersten Wünsche von 2017!

Wünsche 17.06_

Gesammelt beim Flohmarkt im Wannenbad am 17.6.

Plakat3.6_

Gesammelt beim Nachbarschaftsfest am 3.6

Wünsche1 2017

Gesammelt am Möckerschen Markt am 18.3.

Es sind wieder sehr unterschiedliche Wünsche, die große gesellschaftliche Diskussionen aufrufen können…

Wir führen seit 2016 auch eine Umfrage über die Straße durch.

Hier einige Antworten:

Drei Worte, die mir zu der G.S.Straße einfallen
– Lang, vielschichtig, launisch
– Eine ehrliche Haut
– Schwarz Georg Mehrweißichnicht
– Lang laut schäbig
– Unmenschlich lang – Roter Ampel – Baumlos
– Liebe – Leben – Heimat oder: das – einfache – Leben
– Autos / Tatort / Die Straße!
– Gegensätze, unendlich, grau
– Trostlos – trendy – träumerisch
– Leerstand( plakatierte Schaufenster),  Arbeitsamt,  Nacht der Kunst
– Lang,Laut,Trist
– Lärm, Leben, Kiez

Was fehlt oder was hätte ich gern in der G.S.Straße?
– Nette Cafés (aber seit Januar gibt es das homeLE, GS 130), Kneipen ohne Rauch, Restaurants ohne Schnitzel, Sojaschwaden und Knoblauchsoße. Und so ziemlich alles jenseits der Eisenbahnbrücke zum Westen der GS hin- Aufenthaltsqualität, Aufweitungen, das neue Kaufland ist dahingehend gut angeordnet.
– Bäume – Kreisverkehr – Bars/Kneipen mit Tischen, Stuhlen und Gäste – ein Paar Tage im Jahr komplett ohne Autos
– Ein Leben
– Ein Ort zum Ausgehen, wohlfühlen, austauschen, Begegnungsstätte nach dem Feierabend, eine Art Zusammengehörigkeit(sgefühl) fehlt noch
– Es fehlt nichts, was wir nicht selbst schaffen könnten.
– Bäume / Ruhe
– Es fehlt auf jeden Fall an Farbe, alles ist sehr monoton, kalt und grau. Was ich mir zusätzlich wünschen würde ist, dass die Straße nicht vollständig urbanisiert wird. Hier findet Alltagsleben statt, was nicht durch die Erschaffung eines künstlichen Szenekiezes zerstört werden sollte (Bsp. Plagwitz, Südvorstadt). Ein paar Wohlfühlelemente wie junge Cafés und Bars fehlen dennoch, da sich die Straße den vielen jungen Leuten durch ihr begrenztes Angebot verschließt. Auch die Idee von autofreien Tagen finde ich gut.
– Die Wünsche, die ich hätte, sind zumeist sicher nicht finanzierbar. Aber wenn man schon Gelegenheit hat, einfach mal zu „spinnen“, dann würde ich mir wünschen:
Mehr Abschnitte mit Bäumen, und ggf. breiteren Gehwegen. Ich glaube, dies würde die Ansiedlung von Straßen-Cafés, Bars, Kneipen, Szene-Läden, Galerien etc. begünstigen. Auffällig ist, dass auf den jetzigen „Szene-Meilen“ Karl-Liebknecht – und Karl-Heine-Straße reichlich Bäume vorhanden sind.
-Durchgängig eine eigene Trasse für die Straßenbahn. Die jetzigen Radwege sind zwar gut gemeint, beeinträchtigen aber durch die Einengung der Fahrspuren die Straßenbahn (besonders gleich vorn im Abschnitt ab Chausseehaus). Ein attraktiver (und nicht durch Staus behinderter) öffentlicher Nahverkehr ist immer ein Gewinn. Dies schließt auch die Verbesserung einiger Haltestellen (z.B. Wiederitzscher Straße) ein.
– Nutzung einiger brach liegender Gebäude (alte Kinos, Ballsäle) für Kultur und (Klein-)kunst. Solche Häuser müssen nicht perfekt renoviert sein, um attraktiv zu sein (siehe Westflügel, UT Connewitz…), sondern locken gerade mit ihrem „morbiden Charme“ eine spannende Szenekultur an.
– Eine Publikation über die Geschichte der Georg-Schumann-Straße. Könnte eine Chronik enthalten. Ich denke aber besonders an die G-S-Str. vor der Wende (siehe dazu auch Punkt 4). Hier gibt es noch viele Zeitzeugen und Erinnerungen, vielleicht auch Fotos und Dokumente. Ich fände es toll, dies zu sammeln und zu veröffentlichen. Durch einen Aufruf („Wer hat noch…? Wer kennt noch…? Wer weiß noch…?) würde man auch die Öffentlichkeit erreichen und einbeziehen.
– Bei meinem letzten Punkt ist das Problem nicht die Finanzierung, sondern die Idee. Vielleicht kann man da auch einen Aufruf starten bzw. Wettbewerb ausschreiben. Und zwar wünsche ich mir einen sympathischen, griffigen Kose- oder Spitznamen für die G-S-Str. Etwa so wie „Karli“ für die Karl-Liebknecht-Straße. Interessanterweise gab es bei den kosenamen-freudigen Leipzigern einen solchen Namen auch vor der Wende schon nicht. „Schumi“, „Schorsch“ oder „Georgetown“ sind blöde Ideen, aber vielleicht fällt jemandem etwas Tolles ein. Wäre sicher ein belebendes Element für jede Art von Kampagnen und Initiativen.
– Vereinzelt breitere Fußwege(Freisitze), mehr Parkbuchten(siehe Abschnitt HS Wiederritzscher)
– Es fehlen Bäume , etwas mehr Grün müsste sein und die Bunte vielfalt der Karli z.B.
– Bäume, Bäume und nochmehr Bäume auf extrabreiten Fußwegen. Und Fahrradständer vor allen Geschäften. Und schöne Freisitze vor guten Cafes und Kneipen.

Was gibt es auf der Straße?
– Den besten Döner des Stadtteils gibt es bei Ali inklusive interessanten Geschichten, Buchhandlung, Spielecafé (Kinder), Sport, Spaß, internationales Café, Solarien, Schulen, Behörden, Einkaufsmöglichkeiten, gute Verkehrsanbindungen…eigentlich alles vorhanden, doch kommt es einem sehr separat, alleinstehend vor. Jeder macht sein eigenes Ding. Manchmal eben einfach nur einsam.
– Gammelfleisch, unverpackte Lebensmittel, Ratlosigkeit (ganz normal)
– Eckkneipen, Dönerläden, Vietnamesische Gemüseläden, Möbel zweiter Hand, die langweilige Passage Ecke Lützower, einen neuen REWE und den Kaufland
– Leerstand, Gebrauchtwaren, unsanierte Häuser, Straßenbahnschienen
– Läden, Anonyme Gebäude, zu viele Autos
– Alles, was wir in ihr sehen möchten und was wir ihr geben: Leben,
Geborgenheit, viele arbeitssame Mitmenschen, Freunde, Netzwerk und
Nahversorgung, Stärkung der Regionalwirtschaft
– Autos
– Es gibt auf der Straße vorallem Gegensätze. Von einem der teuersten und nobelsten Stadtteile (Süden von Gohlis) führt die Straße in ärmere Stadtteile wie Möckern, wo die sozialen Probleme weitaus größer sind. Fährt man die Straße einmal komplett ab, stellt man fest, wie nah die unterschiedlichsten Welten beisammen sein können. Desweiteren befindet sich die Straße im Wandel. Irgendwo zwischen maroden Häusern und Urbanisierungsprojekten, irgendwo zwischen modern und altmodisch, irgendwo zwischen alt und jung. Das macht die Straße und die ganze Gegend drum herum so spannend. Ansonsten findet man alles was man zum Leben braucht: Arkaden, kleine Läden und Einkaufsmöglichkeiten.
– Viele persönliche Erinnerungen
-Das Potenzial, sich zu einer „angesagten Szene-Meile“ zu entwickeln schon jetzt spannende Projekte, Initiativen und Locations streckenweise sehr interessante Bausubstanz aber auch viel Verfall, Trostlosigkeit, Melancholie lohnende Motive zum Zeichnen und Malen.
– A&V`s, Dönerläden, wenig atraktive Geschäfte
– Einen Historischen Straßenbahnhof,das Eiscafe Florenz,einen Bahnviadukt
und die rote Schule.
– Alles: noch ein paar Leute, die schon ewig hier wohnen und ein paar, die in frisch sanierte Häuser eingezogen sind. Es gibt gruselige A&V-Geschäfte und schick-verspielte neue Läden, und sogar noch eine halbe handvoll gute alteingesessene Geschäfte. Es gibt abenteuerliche Spelunken und ein schönes neues Cafe. Es gibt Radfahrer und zuviele Autos – Schkeuditzer und andere Landeier: Fahrt S-Bahn! Es gibt noch zu wenig Bäume und zuviele leere Häuser, aber noch die einmalige Chance zum Erlebnisflanieren.

Gibt es generelle Themen, die mit dieser Straße in Verbindung zu bringen sind? Welche?
– Ist schon ein Treffpunkt von allen grad relevanten Themen: Nationalismus, Ratlosigkeit der Nationalisten_innen, Ratlogiskeit der Nichtnationalisten_innen, Wer ist cool?, Was ist eine Stadt? Was machen wir hier? Wer sind wir? Wo ist hier?
– Zu viel Verkehr und eine gespaltene Persönlichkeit. Die östliche Hälfte ist der vernachlässigte Schmelztiegel zwischen dem reichen Gohlis-Süd und der normalbürgerlichen Mitte, die westliche Hälfte ein rissig löchriger Betonstreigen, gesäumt von überwiegend verwahrlosten Häusern, einem Arbeitsamt und Männern mit Bierfahnen zu jeder Tageszeit.
– Ich versuche die Straße regelmäßig zu umfahren. Vielleicht ist meine Bewertung daher etwas unfair. Assoziation Verwahrlosung und Arbeitsamt.
– Gerade ist unschön, Kurven sind schön – Keine Bäume, kein Schatten, kein Schutz – Kann die „Einleitung“ zu Leipziger Vororten sanfter sein? Kann Leipzig eine schönere „Visitenkarte“ anbieten? Dürfen wir jetzt die Bäume wieder einladen?

Anektdote:

-Guten Abend, vor einem Jahr habe ich  diese Straße besucht und mir gewünscht hier zu wohnen.
Zum meinem Glück bin ich nach 2 Wochen dann hier einzogen.
Mein erster Eindruck war plötzlich weil ich unter Schock war.
Aber endlich kann ich hier wohnen: die Geschäfte und Häuser sind sehr schön und die Leute sind auch sehr nett.
Sobald  ich in die Schule ging, fehlte mir etwas… ich müsste schnell zur Gemeinschaftswohnung zurückgehen: das ist wohl die Sehnsucht des Ortes!
Abends fühle ich mich manchmal etwas romantisch , wenn ich das Fenster aufmache während meine Kerze etwas mit der Luft spielt.
Die Leute sind nett, freundlich und menschlich. (Die Herzlichkeit, die Freundlichkeit und die Liebenswürdigkeit dominieren hier). Nur wegen des Lärmes der Straßenbahn ist man etwas genervt. Es ist ein Traum, dass ich hier eine Wohnung finden konnte.


Geboren 1957 wohnte ich bis 1959 mit den Eltern in dem Haus Möckernsche Straße 42, in dem auch Großeltern, Onkel und Tanten wohnten.

1961 in den Westen geflohen, konnten wir ab 1964 regelmäßig dreimal im Jahr – zweimal zur Messe und einmal mit Aufenthaltsgenehmigung – die Heimat und die Familie besuchen. Alles familiär Wichtige fand hier in Leipzig statt. Wenn wir von den Großeltern in der Möckernschen Straße zu den anderen Großeltern in Markkleeberg fuhren, gingen wir zunächst über die Eisenacher- und die Mottelerstraße, die ich mit ihren unregelmäßigen kinderkopfgroßen Pflastersteinen noch lebhaft in Erinnerung habe, zur Haltestelle Wiederitzscher Straße und stiegen dort in die 10, 11 oder 28. Ich erinnere mich an die Niederflurwagen mit den Schiebetüren ohne Fenster in der sonst offenen Wagenmitte und an das Schild „linke Hand am linken Griff“ als Hinweis zum gefahrlosen Ausstieg bei langsamer Fahrt. Heute undenkbar.Beim Warten auf die „Elektrische“, wie sie von den Großeltern genannt wurde, konnte ich die Zeit mit Träumen vor der Schaufensterauslage eines Spielwarenladens bei der Haltestelle verbringen. Oder waren es gar zwei solche Läden? Einer mit Spielwaren und einer mit Modelleisenbahnen? Meine Erinnerung ist flüchtig. Bei einem der ersten Besuche nach der Flucht fotografierten die Eltern eine lange Menschenschlange vor dem Konsum in der Georg-Schumann-Straße. Um es Anderen im Westen zu zeigen oder um sich selbst daran zu erinnern, wie es „wirklich“ war? Vielleicht als bittere Medizin gegen die ständige Sehnsucht nach zu Hause? Um nicht deswegen „Schwierigkeiten“ zu bekommen – das Motiv war ja nicht sehr staatsfreundlich – sollte ich als Alibi-Motiv durchs Bild laufen.

Nachts, wenn ich als Besuch bei den Großeltern in deren Ehebett auf der Ritze schlief und fernes dumpfes Grollen das Haus erzittern ließ, sagte mir die Großmutter, das seien die russischen Panzer, die oben die Hallesche Straße entlang fuhren. Ob die Georg-Schumann-Straße damals noch Hallesche hieß oder ob nur die Großmutter noch den alten Straßennamen verwendete, weiß ich nicht. Nach 54 Jahren im westdeutschen „Exil“ bin ich Anfang 2015 in die Heimat zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Eine gute Entscheidung.


– Eine Schumannstraßen-Legende: der Eissalon Florenz. Gibt es heute noch, war aber damals im Pavillon-Gebäude gegenüber, mit würdigen Kaffeehausmöbeln. Als Schulkinder haben wir da lange Schlangen bis hinaus auf die Straße gebildet und Unmengen unseres Taschengeldes dort gelassen, besonders, wenn es das seltene und begehrte Schokoladeneis gab. Die Kugel kostete 20 Pfennig, alle anderen Sorten 15 Pf. Gleich neben dem Eissalon gab es ein Schaufenster, in dem eine prächtige große Modelleisenbahnanlage (zumeist mit fahrenden Zügen) zu bewundern war, die besonders wir Jungen viel angestaunt haben. Diese gehörte zur gegenüber liegenden Eisenwaren-Handlung Kertzscher (was für ein typisch Leipziger Name!), ein Laden, wo man praktisch alles zum Heimwerken bekam, was man brauchte bzw. was in der DDR zu bekommen war.Und was gab es da früher nicht für urige Kneipen: z.B. die Hunde- und die Hühnerkneipe. Da liefen die Hühner frei herum. Auf den Tischen … überall!
– Ich war auf der Georg-Schummann-Straße Ende der 70er Jahre oft bei meiner Oma, sie wohnte in der Eisenacher Straße, die parallel zur G.S. Straße läuft.Manchmal gingen wir auf der G.S.Straße einkaufen,von Laden zu Laden…es war eine lebendige Straße und die Leute machten ihre Einkaufsrunde. Diese Runde machen sie jetzt Zentral, im neuen Kaufland. Mein Vater erzählt noch Gerne aus den 60er Jahren, als noch das alte Eiscafé Florenz gegenüber dem heutigen Standort zu finden war. Es war viel größer als jetzt. Obwohl er hätte laufen können, von der Eisenacher Straße, fuhr er mit dem Motorrad dorthin. Dort standen Maschine neben Maschine auf der Straße vor dem Café, dicht an dicht. Heute absolut unmöglich, der Verkehr ist einfach zu viel geworden.
-Von vielen werde ich heute auf meine schöne Taschenuhr angesprochen und gefragt, ob ich diese aus einem teuren Antiquitätengeschäft habe, oder ob es ein Familienerbstück sei. Ich kaufte sie mir als Schuljunge vor gut 40 Jahren bei einem Uhrmacher auf der Schumannstraße (etwa dort, wo sie die heutige Natonekstraße kreuzt) Lange hatte ich mein Taschengeld gespart, bis ich die ca. 20 Mark zusammen hatte. Es ist ein Fabrikat der Marke Molnja, „Made in USSR“. Eine wunderschöne Uhr (natürlich mechanisch), die mich heute viel begleitet und immer noch auf die Minute genau geht.
– Anektdoten gibt es viele, vor allem da ich mich oft mit Freunden auf ein Bier in einer der vielen „Nachbarschaftskneipen“ getroffen habe.
Warum? Weil man sonst nicht mit Maurern und Frührentnern kurz nach Mitternacht ein Herrengedeck trinken kann 🙂
– Die Georg…hat für mich persönlich eine recht große Bedeutung.
Als ich 2005 fest nach LE gezogen bin, war diese Straße meine erste Zufluchtsstätte. Hauptsache Gohlis war das Ziel.
Einfach dem Leitspruch folgend: „wem’s wohl ist, zieht nach Gohlis“.
Es ist dann zwar doch ein Stück weiter hinter Gohlis geworden (Möckern).
Die Entscheidung fiel auf eine schöne rustikale perfekt unfertige, vor allem aber große u günstige Altbauwohnung.
Von denen es noch einige hier gibt. „Kein Geld aber Stuck an der Decke.“ rief mein Papa aus, als er die Wohnung das erste mal betrat.
So war auch mein Eindruck von der Georg, nicht so chic u rausgeputzt, wie manch andere Viertel der Stadt, aber durchaus stolz u tapfer für das vorhandeneViele alteingesessene Bewohner gibt es hier, die ihr Fleckchen um keinen Preis der Welt eintauschen würden, eine Art Dorfmentalität…
Wertvolle Ereignisse durfte i auf dieser Straße erleben; Konzerte im Anker, Wahlen in der Schule, WG-Partys/Abende, Fahrradstrecken, das kräftige in die Pedale treten auf dieser Strecke, oder sich auf dem Gepäckträger mitnehmen u dabei von der Polizei erwischen lassen, nachdem mein Fahrrad vom Hinterhof geklaut wurde, die unzähligen Fußmärsche in der Nacht u Straßenbahnfahrten mit wahnsinnig vielen Fahrkartenkontrollen…der fantastische OstCharme im Obst-u Gemüseladen…u u u
– Ein kleines Beispiel, das groß werden kann, wenn es Schule macht:
letzte Woche fuhr ich zur Maike vom HomeLE vor und brachte ihr
Wackelaugen, die sie für ein österliches Hasen-Bastelprojekt braucht,
dafür nahm ich von ihr 2 Stückchen Kuchen mit, ging damit zu Inkas
buntem Laden, um mit der Inhaberin Kaffee zu trinken. Von dort nahm ich
bunte Kordel mit, die ich für ein Bastelprojekt bei mir im Laden
brauche… schön?
Geboren 1957 wohnte ich bis 1959 mit den Eltern in dem Haus Möckernsche Straße 42, in dem auch Großeltern, Onkel und Tanten wohnten.
1961 in den Westen geflohen, konnten wir ab 1964 regelmäßig dreimal im Jahr – zweimal zur Messe und einmal mit Aufenthaltsgenehmigung – die Heimat und die Familie besuchen. Alles familiär Wichtige fand hier in Leipzig statt. Wenn wir von den Großeltern in der Möckernschen Straße zu den anderen Großeltern in Markkleeberg fuhren, gingen wir zunächst über die Eisenacher- und die Mottelerstraße, die ich mit ihren unregelmäßigen kinderkopfgroßen Pflastersteinen noch lebhaft in Erinnerung habe, zur Haltestelle Wiederitzscher Straße und stiegen dort in die 10, 11 oder 28. Ich erinnere mich an die Niederflurwagen mit den Schiebetüren ohne Fenster in der sonst offenen Wagenmitte und an das Schild „linke Hand am linken Griff“ als Hinweis zum gefahrlosen Ausstieg bei langsamer Fahrt. Heute undenkbar.Beim Warten auf die „Elektrische“, wie sie von den Großeltern genannt wurde, konnte ich die Zeit mit Träumen vor der Schaufensterauslage eines Spielwarenladens bei der Haltestelle verbringen. Oder waren es gar zwei solche Läden? Einer mit Spielwaren und einer mit Modelleisenbahnen? Meine Erinnerung ist flüchtig. Bei einem der ersten Besuche nach der Flucht fotografierten die Eltern eine lange Menschenschlange vor dem Konsum in der Georg-Schumann-Straße. Um es Anderen im Westen zu zeigen oder um sich selbst daran zu erinnern, wie es „wirklich“ war? Vielleicht als bittere Medizin gegen die ständige Sehnsucht nach zu Hause? Um nicht deswegen „Schwierigkeiten“ zu bekommen – das Motiv war ja nicht sehr staatsfreundlich – sollte ich als Alibi-Motiv durchs Bild laufen.
Nachts, wenn ich als Besuch bei den Großeltern in deren Ehebett auf der Ritze schlief und fernes dumpfes Grollen das Haus erzittern ließ, sagte mir die Großmutter, das seien die russischen Panzer, die oben die Hallesche Straße entlang fuhren. Ob die Georg-Schumann-Straße damals noch Hallesche hieß oder ob nur die Großmutter noch den alten Straßennamen verwendete, weiß ich nicht. Nach 54 Jahren im westdeutschen „Exil“ bin ich Anfang 2015 in die Heimat zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Eine gute Entscheidung.

GSS Schlange

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